1945-1947 Sowjetisches Speziallager Nr. 6
Das sowjetische Speziallager Nr. 6 war eines von zehn Speziallagern in der sowjetisch besetzten Zone Deutschlands. Es bestand zunächst von Mai bis September 1945 im Ostteil der Stadt Frankfurt/Oder. Mitte September 1945 wurden die deutschen Häftlinge in Fußmärschen von dort in die Baracken des ehemaligen KZ-Außenlagers Lieberose in Jamlitz gebracht.
Waren im Speziallager Jamlitz zuerst etwa 3400 Häftlinge inhaftiert, so stieg die Zahl bis Anfang 1947 auf rund 8000 an, darunter etwa 900 Frauen. Mehrere Transporte trafen aus den Speziallagern Ketschendorf und Bautzen sowie aus dem NKWD-Gefängnis Cottbus in Jamlitz ein. Während ältere Häftlinge mehrheitlich aufgrund von ausgeübten Funktionen in Partei und Staat inhaftiert wurden, sind besonders Jugendliche in den NKWD-Gefängnissen teilweise durch Folter zu Geständnissen erpresst worden. Sie sollten zugeben, Angehörige des “Werwolfs” zu sein, einer kurz vor Kriegsende geplanten deutschen Partisanenorganisation.
Im Herbst 1945 waren mehr als zwei Drittel der Inhaftierten in Jamlitz als Block- und Zellenleiter der NSDAP registriert. Weniger als zehn Prozent der Insassen galten dem sowjetischen Geheimdienst als Angehörige deutscher Repressivorgane. In den sowjetischen Speziallagern prägte Hunger den Alltag. Der sowjetische Geheimdienst verbot zudem jegliche Beschäftigung. Der Hunger und die verordnete Untätigkeit waren die Ursachen der bald einsetzenden hohen Sterblichkeit. Im Herbst 1946 wurden zudem die Verpflegungsrationen halbiert, was im besonders strengen Winter 1946/47 in allen Lagern zu einem Massensterben führte. Das Speziallager Jamlitz hatte eine der höchsten Sterberaten. Von rund 10 300 Häftlingen starben nachweislich 3258, darunter 25 Frauen. Bereits in Frankfurt/Oder waren 174 Insassen gestorben.
Im Februar 1947 deportierte die zentrale Lagerverwaltung 350 Häftlinge aus Jamlitz zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion. Das Lager wurde im April 1947 aufgelöst. Rund 4000 Häftlinge verlegte der sowjetische Geheimdienst mit der Eisenbahn in das Speziallager Buchenwald, rund 2000 nach Mühlberg und eine kleinere Gruppe nach Sachsenhausen. In diesen Speziallagern starben weitere bereits geschwächte Häftlinge. Mehr als 300 ehemalige Insassen des Speziallagers Jamlitz sind 1950 in stalinistischen Schnellverfahren im Rahmen der Waldheimer Prozesse zu hohen Zuchthausstrafen verurteilt worden.
1943-1945 KZ-Außenlager Lieberose
1954-1990 Erinnern und Gedenken in der DDR
