Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen
Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam
Gedenkstätte Lieberose in Jamlitz
Workshop "Partisanen als 'Werwölfe'. Wirklichkeit, Wirkung, Folgen"
05. Mai bis 06. Mai 2026
Der Workshop untersucht den „Werwolf“-Komplex im Übergang von Krieg zu Nachkrieg aus historiographischer, rechtshistorischer und erinnerungsgeschichtlicher Perspektive. Der Begriff „Werwolf“ steht dabei sowohl für tatsächliche Versuche, einen Partisanenkrieg gegen die alliierten Truppen im Frühjahr/Sommer 1945 zu führen, als auch für eine viel wirkmächtigere Angstprojektion der Siegermächte und nachwirkende Deutungsmuster im Kalten Krieg.
In den Fokus rücken die alliierten und insbesondere sowjetischen Reaktionen auf tatsächliche und befürchtete bewaffnete Untergrundaktivitäten, die Nachwirkungen des Themas in Haft-, Justiz- und Geheimdienstquellen der Nachkriegszeit, die Entstehung und Persistenz des „Werwolf“-Mythos in Geschichtsbildern und Memorialkulturen.
Der Workshop will erstmals die Forschung zum Thema Partisanen, Werwolf-Verdacht und Nachkriegsverfolgung schwerpunktmäßig für Ostdeutschland zusammenführen. Dabei sollen u.a. neue Forschungen zu sowjetischen Speziallagern und anderen Haftanstalten sowie zur MfS-Überlieferung diskutiert werden.
PROGRAMM
Dienstag, 5. Mai 2026
18:00 bis 20.00 Uhr: Der Mordfall Oppenhoff und der Mythos vom „Werwolf“
- Film Der Mordfall Oppenhoff: Werwölfe auf den Trümmern des Nazireiches (WDR, 1985, Regie: Hannes Heer, 60 Minuten)
- Gespräch zum Film und zur Einführung ins Workshopthema: Der „Werwolf“ zwischen NS-Fanatismus, alliierter Angst und Nachkriegsdeutung in West und Ost
- Alfons Kenkmann & Andreas Weigelt
- Moderation: Julia Landau
Mittwoch, 6. Mai 2026
9:00–10:00 Uhr Begrüßung und Keynotes
- Alfons Kenkmann: Von der NS-Gegnerschaft zum antialliierten Protest? Edelweißpiraten in den westlichen Besatzungszonen
- Magnus Pahl: Der „Werwolf“ im europäischen Kontext: Guerilla, Untergrund, Partisanenkrieg
10:00-10:15 Kaffeepause
10:15–12:15 Uhr Panel 1: Werwolf - Wirklichkeit und Wahrnehmung I
- Andreas Weigelt: Sowjetische Verhaftungspraxis gegen tatsächliche oder vermeintliche Werwölfe und deutsche Partisanen – Zahlen, Dimensionen, Quellenlage
- Ulrich Müller: MfS-Quellen zum Thema „Partisanen“ und „Werwölfe“ – nachträgliche Deutungen und Interessen des DDR-Sicherheitsapparates
- Klaus-Dieter Müller: Unschuldig in den Todeslagern des NKWD? Biografien von Jugendlichen und Werwolf-Beschuldigten in der Nachkriegszeit im Lichte von russischen strafrechtlichen Unterlagen und Rehabilitierungsentscheidungen
- Julia Landau: Die sowjetische Perspektive auf „Werwolf“ und Partisanen
Moderation: Norman Warnemünde
12:15–13:15 Uhr Mittagspause
13:15–14:45 Uhr Panel 2: Werwolf - Wirklichkeit und Wahrnehmung II
- Anne-Christine Hamel: Jugendliche „Partisanen“ 1945 und Haft im Speziallager Buchenwald
- Marlene Tratz: „Werwolf“-Fälle aus dem sowjetischen Untersuchungsgefängnis Potsdam Lindenstraße
- Enrico Heitzer: Partisanen- und „Werwolf“-Fälle aus dem sowjetischen Speziallager Sachsenhausen
- Katharina Steinberg: Zwei Potsdamer Gruppen und ihre Deutung
Moderation: Thomas Scharschmidt
Kaffeepause
15:00–17:00 Uhr Panel 3: Mythos, Forschung, Erinnerung
- Franz Waurich: Warum der “Werwolf” so lange ein Mythos blieb - historiografische Blindstellen und politische Deutungskämpfe
- Elke Scherstjanoi: Der „Werwolf“ in der russischsprachigen Historiographie
- Julia Wambach: Geister der Vergangenheit - der "Werwolf" in der französischen Besatzungszone nach dem Zweiten Weltkrieg
- Christoph Kopke: Der „Werwolf“-Mythos und die extreme Rechte nach 1945
Moderation: Ronny Heidenreich
17:15–17:45 Uhr: Abschlussdiskussion und Ausblick
Moderation: Enrico Heitzer
Schlusswort: Enrico Heitzer & Andreas Weigelt
Kontakt: heitzer(at)gedenkstaette-sachsenhausen.de
Information zu organisatorischen Fragen und Anmeldung (bis 30. April): gorecki(at)stiftung-bg.de
Tagungsprogramm als Download (PDF)
Veranstaltungsort
Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen
Straße der Nationen 22
16515 Oranienburg